Bekämpfung der Badedermatitis im Naturschwimmbad Sulzburg

In den letzten Jahren traten immer mehr Beschwerden auf über Fälle von Badedermatitis im Naturschwimmbad der Stadt Sulzburg. Die Attraktivität des Schwimmbades litt erheblich darunter. Deshalb entschloss sich die Stadt, die Zerkarien zu bekämpfen. Durch Winterung des Schwimmbades und gezieltes Absammeln der Schnecken sollen einerseits die Wasserpflanzen und andererseits die Wasserschnecken stark dezimiert werden.

Die Bade- oder auch Zerkariendermatitis wird durch die Larven (Zerkarien) von Saugwürmern (vor allem Tiere der Gattung Trichobilharzia) ausgelöst. Enten bringen durch ihren Kot Wurmeier in das Schwimmbad. Die Wurmlarven befallen Schnecken und auch den badenden Menschen. Sie bohren sich in dessen obere Hautschichten ein. Das menschliche Immunsystem tötet die Larven, aber eine nachfolgende allergische Reaktion in der menschlichen Haut verursacht papulöse, stark und anhaltend juckende Ausschläge. Es besteht keine direkte gesundheitliche Gefahr, aber das Badevergnügen wird beeinträchtigt. Unabdingbarer Zwischenwirt der Saugwürmer sind Wasserschnecken.

Spitzschlammschnecke Lymnaea stagnalisSpitzschlammschnecke Lymnaea stagnalis

Nach Abstimmung mit der Naturschutzverwaltung und Experten wurde die Genehmigung zum Wintern des Schwimmbeckens erteilt. Auflage war eine wissenschaftliche Begleitung (Monitoring) der Winterung unter den Aspekten der erfolgreichen Reduzierung der Schnecken und zugleich der Bilanzierung der Nährstoffflüsse zum und vom Schwimmbad. FLUVIALIS wurde damit beauftragt.

Material und Methode

Nach der ersten Begehung und Untersuchung des Beckenbodens wurden repräsentative Probeflächen festgelegt. Diese hatten eine Fläche von jeweils 1 m². Das gesamte Material auf diesen Flächen (Algen, Wasserpflanzen, Schlamm, Steine) wurde unmittelbar nach dem Ablaufen des Wassers bis zu einer Tiefe von 8 bis 10 cm entnommen und nach Fläche getrennt analysiert.

Die Schnecken wurden extrahiert und pro Probefläche gesammelt. Die Artenzusammensetzung der Schnecken wurde für jede Probefläche ermittelt. Weiterhin wurden Anzahl, Größenklassenverteilung und mittleres Gewicht der Schnecken ermittelt.

Durchführung

Das Wasser des Schwimmbeckens wurde vollständig abgelassen. Am Nachmittag wurde die Dichte, Verteilung und Artenzusammensetzung der Mollusken (Schnecken) im Becken untersucht.

Im Schwimmbecken kommen 3 Schneckenarten vor. Dies sind die Ohrschlammschnecke (Radix auricularia), die Spitzschlammschnecke (Lymnaea stagnalis) und die Flache Tellerschnecke (Planorbis planorbis).

Die Tellerschnecke kommt nur sehr selten und in einzelnen Exemplaren im Schwimmbecken vor, so dass sie hier nicht weiter betrachtet wird. Außerdem scheint sie als Zwischenwirt für Saugwürmer eine untergeordnete Bedeutung zu haben.

Die anderen beiden Arten der Schlammschnecken allerdings kommen in hoher Dichte vor. Sie sind beide Zwischenwirte der Saugwürmer.

Untersuchung direkt nach Ablassen

Der flache Kinderbereich wies die höchste Dichte an Schnecken auf. Dort waren die Ohrschlammschnecken absolut dominierend. Die Schneckendichte war hier bei 256 Individuen pro Quadratmeter. Es waren keine Wasserpflanzen vorhanden. Die Schlammdicke lag bei etwa 4 bis 6 cm.
Schlammschnecken abgesammelt

In zwei der untersuchten Flächen waren jeweils 61 Schnecken pro Quadratmeter vorhanden. Die Spitzschlammschnecke war hier dominierend. Auf diesen Flächen war die Wasserpest (Elodea canadensis) flächendeckend.

Auf einer weiteren Fläche war weniger Wasserpest vorhanden, als die fädige Spiralalge (Spirogyra spec.). In dem dichten Algengeflecht und dem Schlamm darunter waren nur 24 Schnecken / m² vorhanden.

Insgesamt kann von einer mittleren Schneckendichte von 100 Tieren / m² ausgegangen werden. Vergleichsdaten von anderen Gewässern liegen derzeit nicht vor, dennoch scheint die Schneckendichte hier relativ hoch zu sein.

Berechnet man die Anzahl der Schnecken, dann ergibt sich rechnerisch eine Menge von rund 110.000 Schnecken im gesamten Schwimmbad.

Bei einem Durchschnittsgewicht von 0,6 Gramm bei Radix auricularia und 1,2 Gramm für Lymnaea stagnalis ergibt sich für den Kinderbereich ein Schneckengesamtgewicht von 36 Kilogramm und für den Schwimmerbereich 69 kg. Insgesamt müssten also rein rechnerisch 105 kg Schnecken im Naturschwimmbad gelebt haben.

Absammelaktion
Spitz- und Ohrschlammschnecken

Die Aktion zum Absammeln der Schnecken und zur Rettung der anderen Tiere erfolgte einen Tag nach dem Ablassen des Wassers aus dem Becken.

Durch die fast 40 Personen konnten in 3 Stunden immerhin 10 Kilogramm Schnecken abgesammelt werden. Das sind rund 10 % des rechnerisch ermittelten Schneckenbestandes.

Weit über 100 wirbellose Tiere sowie 6 Bachforellen, 2 Seefrösche und 2 Grasfrösche wurden zudem noch geborgen und umgesetzt.

Untersuchung nach Absammeln und Ausbaggern

Nach der Absammlung und der Reinigung mit Bagger und Dampfstrahler wurden die Probeflächen und die darauf befindlichen Schnecken wiederum untersucht. Die Untersuchung erfolgte eine Woche nach der Reinigung mit dem Bagger.

Die großen Bestände an Elodea und Spirogyra waren nicht mehr vorhanden. Die Pflanzen und ein Teil des Schlammes waren durch den Bagger abgetragen.

Die bisher ergriffenen Maßnahmen führten zu einer Reduzierung der Schnecken um 88 %.

Allerdings reicht dies nicht aus, weil die verbliebenen Schnecken sich innerhalb von 2 Jahren wieder auf ihre Ausgangsdichte vermehren werden. Deshalb ist die Winterung erforderlich. Die verbliebenen Schnecken graben sich in den Schlamm ein und können so die wasserlose Zeit überdauern. Austrocknung und vor allem Frost werden deshalb erheblich dazu beitragen, die Population der Schnecken im Schwimmbad weiter zu reduzieren. Hinzu kommt noch, dass der Frost auch in der Lage ist, die Triebe der Wasserpest absterben zu lassen. Dadurch reduziert sich die Schlammbildung im Becken.

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